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Köln pelzfrei 2006

400 Menschen verwandeln Trauer in Wut

Köln, 30.09.2006: Ein eindrucksvoller Protestzug zieht am Samstag Mittag schweigend durch die Kölner Innenstadt. Ca. 400 meist junge Leute und in schwarzer Trauerkleidung gehüllt, angeführt von einem Sargträger und einem Trommler – sie alle demonstrieren ihre Trauer über die unsäglichen ‚Pelztier’morde im Namen der Mode. Ihre Botschaft verbreiten sie mit Aufschriften auf schwarzen Transparenten: „50.000.000 Tiere sterben im Jahr für Pelz“, „Pelze sind durch Stromschlag, durch Vergasen, durch Genickbruch, in der Falle ermordete Lebewesen“ oder auch „Die Würde des Tieres ist unantastbar – Herrschaftsstrukturen angreifen, Speziesismus bekämpfen“. Dieser so leise und unaufdringliche Auftritt von TierrechtlerInnen verfehlt nicht seine Wirkung. Er erzeugt eine eindrucksvolle Spannung, die kaum einem der vielen PassantInnnen entgeht. Es ist ein Mahnmal, der an die vielen Millionen Opfer der ‚Pelz’industrie erinnern soll, die Jahr für Jahr für Modeartikel hingerichtet werden.

Bevor sich der Schweigemarsch auf den Weg gemacht hatte, trafen nach und nach die vielen DemonstrantInnen auf dem Heumarkt zu der alljährlichen ‚Köln-pelzfrei-Demonstration’ ein. Das Motto in diesem Jahr lautete „Wandel Trauer in Wut“ und bereits im Aufruf zur Demo wurde daran appelliert, dies auch äußerlich mit einer angemessenen schwarzen Trauerkleidung zum Ausdruck zu bringen. Verschiedene Info- und Tierrechtsverkaufsstände hatten Informationsmaterial über die verschiedenen Tierausbeutungsformen ausgelegt, auf einer großen Videoleinwand liefen grausame Szenen vom Alltag sogenannter Pelz- und Nutztiere. Wolfgang Siebert begrüßte als Anmelder der Demo die Protestteilnehmenden. Dabei wandte er sich explizit an anwesende TierschützerInnen: Er hieß sie herzlich willkommen, legte ihnen jedoch ausdrücklich ans Herz, sich über den Unterschied zwischen Tierschutz und dem Tierrechts-/Tierbefreiungsgedanken bewusst zu werden. Es dürfe nicht zwischen den Tierarten unterschieden werden, nicht nur „Hunde und Katzen“ im Vordergrund stehen, sondern es müsse um alle Tiere gehen, die Gewalt und Ausbeutung und damit eine unermessliche Ungerechtigkeit erfahren. Er bat sie, sich an den aufgebauten Tierrechtsständen über die unterschiedlichen Tierausbeutungsformen zu informieren und das traditionelle Denkmuster des Tierschutzes, das u.a. eine unterschiedliche Bewertung der Tierarten vornimmt, hinter sich zu lassen.

Der Trauermarsch, der sich anschließend durch die volle Kölner Innenstadt zog, irritierte: 400 schwarz gekleidete meist junge Menschen, vollkommen schweigend, mit einem ernsten Gesichtsausdruck, die sich auch nicht durch einzelne Pöbeleien von nimmermüden Ignoranten provozieren ließen, völlig unangemessen umgeben und eingekesselt von PolizistInnen in Kampfanzügen und mit Schlagstöcken, das war ein Bild, das so manchen Passanten nachdenklich stimmte und viele ebenfalls sprachlos machte. Vereinzelt hörte man Zustimmung oder ein leises Klatschen über diesen ungewohnten ‚Auftritt’ der TierrechtlerInnen, deren Image in den Medien zumeist so ein ganz anderes ist. Über die Wirkung dieser stillen Prozession mag spekuliert werden und inwieweit sich die Einkaufslustigen in Köln wirklich ernsthafte Gedanken über den Wahnsinn der ‚Pelz’mode machen, kann nicht ermessen werden. Die ausdrucksvolle Spannung, die in der Luft lag, war jedoch nicht zu ignorieren.

Nach ca. einer Stunde kehrte sich dann auf einer langgezogenen Einkaufsstraße die Stimmung um, Lautsprechersirenen und Trillerpfeifen kündigten die Verwandlung der Trauer in Wut an. Laute Sprechchöre brachten nun das Unrecht, das den unzähligen (nichtmenschlichen) Tieren in unserer Gesellschaft widerfährt, unmissverständlich zur Sprache. Dabei ging es wie gewöhnlich nicht nur um die sogenannten Pelztiere, sondern um jegliche Gewaltakte gegen Tiere. Vor dem Jagdgeschäft Frankonia (vormals Kettner) referierte Wolfgang Siebert über den Widersinn und die Machtdemonstration der Jagd durch die Jäger, die sich offiziell als Natur- und Tierschützer ausgeben. Dabei sprach Siebert davon, dass das Thema (Anti-)Jagd leider seit geraumer Zeit durch die Sekte Universelles Leben aufgegriffen wird und dass er sich wünsche, dass die Tierrechtsbewegung die Bekämpfung der Jagd nicht einer Sekte ‚überlässt’, sondern selbst in der nahenden Herbst- und Wintersaison Jagd zum Thema macht. So fänden in Kürze wieder die alljährlichen Hubertusmessen statt, bei denen über die Scheinheiligkeit ihres Treibens informiert werden könne.

Als letztes Ziel des Fußmarsches durch die Kölner Innenstadt war das ‚neue’ Kampagnenziel der Offensive gegen die Pelzindustrie auserkoren worden, der Warenhauskonzern ‚Galeria Kaufhof’. Vor diesem zentral gelegenen Kaufhaus blieb der Demozug längere Zeit stehen, die DemonstrantInnen riefen Sprechchöre gegen Pelz und ein Aktivist der Offensive informierte über die Wirksamkeit der gelaufenen Kampagnen der Offensive und rief als neues Protestziel die bundesweite Kaufhof-Kette aus. Dass dieses schon kurz nach diesem Tag bereits wieder Geschichte war, das konnte zu diesem Zeitpunkt kaum jemand ahnen ...

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